14.02. J. R. König – Valentinstagsüberraschung

J. R. König – Valentinstagsüberraschung

Es ist doch verrückt.
Nur, weil irgendwelche Menschen festgelegt haben, dass am 14. Februar der Tag der Liebenden ist, soll sich jetzt die ganze Welt danach richten und jede Frau muss sich freuen, wenn sie mit Schokolade, Blumen und anderen Geschenken überhäuft wird. Denkt denn einer von diesen Leuten daran, dass es vielleicht weibliche Wesen auf dieser Welt gibt, die das gar nicht wollen? So wie ich zum Beispiel.
Es ist jedes Jahr dasselbe. Ich ereifere mich darüber, dass wir diesem Konsumwahnsinn folgen und werde schief angesehen. Wieso ich mich nicht einfach freuen könnte? Die Blumen gefallen mir nicht? Wieso sage ich denn gar nichts zu den Pralinen? Zum Parfüm? Seit ich ein Teenager war, schlage ich mich mit diesen Diskussionen rum. Wie viele Männer ich schon vor den Kopf gestoßen habe damit? Ich habe aufgehört zu zählen.
Dabei halte ich mich selbst für eine romantische Person, nur eben nicht speziell an diesem einen Tag im Jahr. Der übrigens heute ist.
„Bitte Paula, wenn du heute ein Geschenk von Gabriel bekommen solltest, freu dich einfach. Kannst du das?“ Die Augen rollend halte ich kurz das Telefon von mir weg, denn sicher lässt Tina noch mehr solche Sprüche ab. Meine beste Freundin meint es nur gut, sie hat einige Männer scheitern sehen an diesem speziellen Tag und mag Gabriel.
So wie ich.
Wobei mögen wirklich untertrieben ist. Gabriel ist seit Langem ein Mann, der mich wirklich fasziniert und von dem ich hoffe, dass er eben kein großes Ding aus diesem Tag macht.
„Ich werde mir Mühe geben, so zu tun, als würde mir sein Geschenk gefallen“, halte ich dagegen, unterdrücke ein Seufzen, als ich sie tief durchatmen höre. Just in dem Moment, in dem sie zu einer weiteren Ermahnung ansetzen möchte, höre ich den Schlüssel in der Tür und muss augenblicklich lächeln. Ja, Gabriel ist ein besonderer Mann, ansonsten wäre ich nicht nach einem halben Jahr mit ihm zusammengezogen und hätte so ziemlich all meine Prinzipien über den Haufen geworfen.
„Er kommt gerade. Bye Süße“, verabschiede ich mich schnell, stehe auf und positioniere mich auf der Lehne der Couch. Nur in einen dünnen Seidenmantel gehüllt erwarte ich meinen Freund. Hoffentlich ohne den obligatorischen Strauß Rosen. Allein bei dem Duft wird mir übel. Innerlich wappne ich mich dafür, ihm etwas vorzuspielen, doch er braucht viel zu lange dort draußen.
„Baby?“, rufe ich ihm entgegen, halte aber die unbequeme Position und streiche mir eine verirrte blonde Strähne wieder hinter das Ohr. Gabriel mag es, wenn ich die Haare offen trage, das kommt durch den Job einfach zu selten vor.
„Gleich“, erhalte ich als Antwort, die mich aber ganz und gar nicht zufrieden stellt. Noch weitere fünf Minuten warte ich darauf, dass mein Freund das Wohnzimmer betritt, mich erblickt und dabei vergisst, dass er mir irgendein sinnloses Geschenk machen wollte. Guter Plan, oder?
„Bist du bereit?“, fragt er mich endlich, woraufhin ich viel zu aufgeregt Ja antworte. Mist. Ich rechne wirklich mit allem, aber sicher nicht mit diesem Auftritt. Denn als Gabriel das Zimmer betritt, sind seine Hände leer und sein fantastischer Körper nackt. Ich weite die Augen, als ich ihn vollständig sehen kann. In seiner vollen Pracht und die ist unbeschreiblich heiß, steht er vor mir, keine Blumen, keine kleine Schachtel, in den Händen und grinst mich verschmitzt an.
„Na, gefällt dir dein Geschenk?“, will er wissen und erst jetzt fällt mir die große rote Schleife an seinem Hals auf. Mit seinem Zwinkern gepaart, bringt mich diese Aktion sofort zum Lachen, ich muss mich vorn über beugen, weil das einfach er ist. Der beste Mann, den ich je kennengelernt habe und den ich nicht mehr gehen lassen werde. Als ich mich wieder beruhigt habe, erhebe ich mich richtig, öffne mit leichtem Zug das Band des Bademantels und lasse ihn über meine Schultern rutschen. Das Gabriel hart schlucken muss bei meinem Anblick, gefällt mir außerordentlich gut. Denn obwohl wir schon mehrere Monate zusammen sind, hier wohnen und ständig Sex haben, kann ich von ihm nicht genug haben. Davon, wie er mich ansieht, mich berührt und mir sagt und vor allem zeigt, wie glücklich er ist, mich an seiner Seite zu haben.
„Komm her“, bittet er mich sanft, streckt einen Arm nach mir aus und nur zu gern komme ich diesem Wunsch entgegen.
Mein Herz schlägt ganz aufgeregt, als ich vor ihm stehe, meine Hand in seiner und ich seinen unvergleichbaren Duft einatme. Schon von Anfang an hat mich dieser Mann beeindruckt. Die dunklen Haare, die hellen Augen, der Dreitagebart, der so herrlich zwischen meinen Beinen kratzt, wenn er mich verwöhnt. Allein der Gedanke daran, lässt mich schaudern.
„Du bist wunderschön“, raunt er verheißungsvoll, seine Stimme klingt wie ein Reibeisen, die heiße Blitze in meinen Unterleib schießt. Oh Gott, ich will ihn. So sehr, wie noch keinen anderen Mann zuvor.
„Du bist aber auch nicht zu verachten“, hauche ich, ernsthaft, ich hauche es, als er meine Hand zu seinen vollen Lippen führt und jeden Knöchel einzeln küsst. Mir wird unglaublich warm, ich kann bereits das Prickeln zwischen meinen Beinen spüren, als er meine Hand umdreht und seine Küsse auf meinem Handgelenk weiterführt. Ich bin ernsthaft versucht zu seufzen, zu stöhnen, irgendetwas, um dem Verlangen tief in mir Raum zu geben. Aber das wäre übertrieben, oder nicht? Er tut doch gar nichts und trotzdem ist mein Körper in Aufruhr. Diese Wirkung hat er schon von Anfang an auf mich, ich war komplett unfähig diesem Mann zu widerstehen. Dabei habe ich gar nicht gesucht, als wir uns kennenlernten. Gerade erst hatte ich den letzten Loser abgeschossen und wollte einfach nur frei sein. Was daraus geworden ist, sehe ich ja jetzt, als Gabriel weiterhin kleine Küsse auf meinen Unterarm tupft, mir dabei tief in die Augen sieht und sein Blick die reine Versuchung ist.
„Ich hoffe, das ist ein Valentinstagsgeschenk nach deinem Geschmack“, hat er noch die Unverfrorenheit mich aufzuziehen. Ohne weiter darüber nachzudenken, aber breit grinsend, lege ich ihm eine Hand in den Nacken und küsse ihn. Endlich kann ich ihn schmecken, seine Lippen auf meinen spüren und ihm zeigen, wie sehr mir dieses Geschenk gefällt.
„Es ist perfekt“, raune ich gegen seinen Mund, bevor seine Zunge in meinen eintaucht, mich zu der seinen macht und mich vergessen lässt, dass es Idioten auf dieser Welt gibt, die keine Ahnung davon haben, eine Frau glücklich zu machen.